KLIFF IMPLAN Siedlung und Infrastrukturen
Siedlungs- und Infrastrukturentwicklung
Siedlungsräume werden von den Auswirkungen des Klimawandels in besonderer Weise betroffen sein, da sie aufgrund der Konzentration von Bebauung, Infrastrukturen und Bevölkerung eine vergleichsweise hohe volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Verwundbarkeit gegenüber Naturgewalten aufweisen. Zudem haben Extremereignisse wie Hitze oder Starkregen aufgrund der räumlichen Gegebenheiten von Siedlungsgebieten (hohe bauliche Dichte und hoher Versiegelungsgrad) in diesen Räumen eine besonders ausgeprägte Wirkung (z. B. in Form von städtischen Wärmeinseleffekten oder durch übergelaufende Kanäle verursachte lokale Überschwemmungen).
Auch kritsche Infrakstrukturen, wie bedeutende Verkehrswege, Kraft- und Umspannwerke, Energie- und Kommunikationsnetze, Pflegeheime, Krankenhäuser, ärztliche Einrichtungen, Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen etc., können durch wettter bzw. witterungsbedingte Extremereignisse wie z. B. Hitzebelastungen, Überschwemmungen oder gravitative Massenbewegungen gefährdet werden.
Aufgrund der wachsenden infrastrukturellen Vernetzung steigt zusätzlich die Gefahr, dass sich lokal begrenzte Ausfälle einzelner Teile der Infrastruktur in der Folge auch auf andere Infrastrukturbereiche oder umliegende Regionen ausdehnen. Diese Folgeeffekte besitzen das Potenzial, komplexe Versorgungsinfrastrukturen zum Erliegen zu bringen und können enorme volkswirtschaftliche Schäden bewirken.
Verstärkung städtischer Wärmeinseleffekte
Innerhalb verdichtetet Siedlungsgebiete herrschen i. d. R. höhere Temperaturen als im unbebauten Umland vor. Die Gründe für dieses Phänomen liegen in der stärkeren Aufheizung aufgrund hoher Versiegelungsgrade, der reduzierten Durchlüftung wegen baulichen Hindernissen, der verminderten Verdunstung durch geringerer Vegetationsanteile sowie in der Speicherung und zeitverzögerten Abgabe solarer Strahlungswärme durch Gebäude und versiegelter Flächen. Bereits heute sind diese städtischen Wärmeinseleffekte z. T. stark ausgeprägt.
Zunahme wetter-bzw. witterungsbedingter Naturgewalten
Überschwemmungsgefahren
Neben der zu erwartenden Zunahme und Intensivierung von Binnenhochwasser- und Sturmflutereignissen und daraus resultierenden großräumigen Überflutungsgefahren für Siedlungen und Infrastrukturen werden sich - als Folge häufigerer und intensiverer Starkregenereignisse - vorraussichtlich auch die Gefahren durch kleinräumig auftretende Sturzfluten erhöhen. Als Sturzfluten bezeichnet man plötzliche Überschwemmungen die dadurch entstehen, dass nach einem Starkregen mehr Wasser vorhanden ist, als vom Boden bw. Gewässersystem aufgenommen werden kann. In Abhängigkeit vom Relief, fließt das Wasser mehr oder weniger schnell oberflächig ab und sammelt sich in Talauen, Hangmulden, bzw. Senken. Insbersondere in kleineren Fließgewässern mit strarkem Gefälle und in solchen Gewässern, die als Vorfluter für Einleitungen aus Kanalisationen und Regenrückhaltebecken fungieren, können sich bei lokalem Starkregen sehr schnell Sturzfluten mit größerem Schadenspotenzial für Siedlungsbereiche und Infrastrukturen entwickeln. Bereits heute wird rund die Hälfte aller Hochwasserschäden in Deutschland durch kleinräumige Überschwemmungen infolge von Starkregenereignissen verursacht.
Gefahren durch gravitative Massenbewegungen
Unter gravitativen Massebewegungen sind hangabwärts gerichtete Verlaguerungen Verlagerungen von Festgestein, Lockergestein oder Bodenmaterial zu verstehen (z. B. Felsstürze, Steinschläge und Hangrutschungen). Sie können eine potenzielle Gefährdung für Siedlungen, Bauwerke und Infrastukturen darstellen. Einflussfaktoren für die Enststehung gravitativer Massenbewegungen sind z. B. Gesteinslockerungen durch Wurzelsprengung. Verwitterungs. und Erosionsprozesse sowie das Gefälle und die Rutschanfälligkeit von Deckschichten. Als Klimatische Einflussfaktoren sind zudem Temperaturschwankungen, häufige Frost-/ Tauwetter-Wechsel, lang anhaltende Regenfälle und Starkregenereignisse von Relevanz. Diese werden sich vorraussichtlich allesamt verstärken und zu einer Zunahme gravitativer Massenbewegungen führen. Vor allem bei Hangbewegungen spielen hydrologische Randbedingungen eine entscheidende Rolle. Der klimawandelbedingte periodische Anstieg des Hangwasserspiegels im Winer bzw. die mögliche Intensivierung von Starkregenereignissen können daher zur Folge haben, dass bereits gefährdete Hänge weiter an Stabilität verlieren und künftig zusätzlich auch solche Hänge gefährdet sein können, deren Standsicherheit bisher vorhanden war.
Handlungsmöglichkeiten und Instrumente der Raumordnung
Vor dem o. g. potenziellen Auswirkungen des Klimawandels muss die Raumordnung einerseits noch stärker als bisher auf eine ausgewogene Entwicklung von Freiraum- und Siedlungssrukturen hinwirken und anderseits in verstärkten Maße die witterungs/ wetterbedingten Naturgefahren für Siedlungsräume und Infrastrukturen berücksichtigen.
Klimawandeloptimierte Steuerung der Freiraum- und Siedlungsstruktur
Der Enstehung von Belastungen des Siedlungsklimas (Wärmeinseleffekt) kann bei der Raumplanung durch eine angepasste Steuerung der Freiraum- und Siedlungsstruktur entgegengewirkt werden. Bereits in den Grundsätzen der Raumordnung finden sich entsprechende Passagen. So ist de Freiraum durch übergreifende Freiraum-, Siedlungs- und weiterer Fachplanungen zu schützen und dei Flächeninanspruchnahme im Freiraum zu begrenzen.
Die erstmalige Inanspruchnahme von Freiflächen für Siedlungs- und Verkerehrswege sind zu verringern und der Raum in seiner Bedeutung für die Funktionsfähigkeit u. a. des Klimas zu entwickeln, zu sichern oder wiederherzustelllen.
Sicherung von für das Siedlungsklima bedeutsamen Freiräumen
Die Raumordnung kann auf eine Erhaltung bzw. Verbesserung der Luftaustauschprozesse zwischen städtischen Gebieten und deren Umland und damit auf eine Minderung siedlungsklimatischer Belastungssituationen hinwirken, indemn sie bestehende Kalt- bzw. Frischluftentstehungsgebiete und Luftaustautauschbahnen sowie zuvor anderweitig genutzter Flächen, die sich als klimawirksame Freiräume eignen.
Um raumordnerische Festlegungen zur Sicherung siedlungsklimatischer Freiräume treffen zu können, ist eine genaue Kenntnis der regionalen bzw. lokalen Klimate (Frisch-/ Kaltluftentstehungsgebiete, Frisch/- Kaltluftschneisen, Wirkung städtischer Wärmeinseln etc.) erforderlich.
Referenzen
Jan Spiekermann, Enke Franck (Hrsg.) Anpassung an den Klimawandel in der räumlichen Planung -Handlungsempfehlungen für die niedersächsiche Planungspraxis auf Landes- und Regionalebene