Fischerei - Auswirkungen des Klimawandels

Aus KLIMASCOUT für Kommunen
(Unterschied zwischen Versionen)
Wechseln zu: Navigation, Suche
 
(14 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
Die Küstenbereiche von Nord- und Ostsee sowie die sich daran anschließende ausschließliche Wirtschaftszone werden intensiv genutzt. Hier werfen Fischer ihre Netze aus, Schiffe transportieren große Mengen an Waren für den Weltmarkt und Windräder erzeugen Energie. Zusätzlich werden Sand und Kies abgebaut. All das hat neben dem Tourismus für die strukturschwachen Küstenregionen eine enorme wirtschaftliche Bedeutung.
+
zurück zu [[Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel|Maßnahmen - Fischerei]]
  
Es beeinflusst zudem die bisher genutzten Fischbestände. Andererseits sind Sardine, Sardelle und Streifenbarbe in die Nordsee eingewandert – sie waren früher nur in südlicheren Meeresgebieten anzutreffen. Auch beim Plankton und in der Bodenzone von Nord und Ostsee finden sich zunehmend Arten aus anderen Weltgegenden, die vor allem durch den Schiffsverkehr eingeschleppt werden.
+
'''Hochsee- und Küstenfischerei'''<br/>Auch wenn die Fischereiflotte nur wenige hundert Schiffe umfasst, hat die Fischwirtschaft mit ihren vor- und nachgelagerten Betrieben in den strukturschwachen Küstenregionen dennoch wirtschaftliche Bedeutung. Fast 90% der nachgefragten Fische werden importiert. Sowohl Seefischerei als auch Binnenfischerei (Aquakultur, Seen- und Flussfischerei) decken zusammen nur ca. 10% des Verbrauchs.<br/><br/>Mit dem Klimawandel geht eine Erwärmung des Wassers insbesondere in den Sommermonaten einher. Warmes Wasser dehnt sich aus, der Meerespiegel steigt an, Strömungssysteme könnten sich verändern. Durch den höheren CO2-Eintrag wird das Meerwasser saurer mit negativen Folgen für den Kalkgehalt der Schalen vieler Meeresbewohner.<br/>Höhere Meerestemperaturen scheinen den Kabeljau nach Norden zu vertreiben. Auswirkungen auf Krabben- und Miesmuschelbestände sind noch unklar. Weniger eisige Winter erlauben die Einwanderung von neuen Arten wie Streifenbarbe und Sardellen. Im Wattenmeer breitet sich die Pazifische Auster aus. Der Klimawandel kann demnach auch Vorteile für die Fischerei haben. Problematisch könnte die Erwärmung des Meerwassers werden, wenn sich die Phytoplanktonblüte zeitlich nach vorne verlagert und sich die davon lebende Fauna nicht schnell genug anpassen kann.<br/><br/>'''Binnenfischerei'''<br/>Im Bereich der Aquakultur muss bei höheren Wassertemperaturen oder bei verringertem Wasserzufluss in Forellenteichen mit technischen Maßnahmen wie z.B. Belüftungsanlagen gegengesteuert werden. Die Produktionsbedingungen in Karpfenteichen könnten dagegen besser werden. Die Infrastruktur von beiden ist bei lokalem Extremhochwasser gefährdet.
  
Mit dem Klimawandel verändern sich die Lebensräume und Nahrungsgrundlagen der Fische sowie die Meeresökosysteme in Nord- und Ostsee insgesamt. Was das genau bedeutet, lässt sich noch nicht abschätzen. Die neuen Arten könnten sowohl Nahrungskonkurrenten als auch zusätzliche Nahrungsquellen darstellen.
+
'''Flussfischerei / Seenfischerei / Angeln'''<br/>Bei hohen Wassertemperaturen können durch den entstehenden Sauerstoffmangel Fische sterben. In Phasen mit niedrigem Wasserstand kann die Befischbarkeit eingeschränkt und das Wachstum von Jungfischen in den verlandeten Bereichen gefährdet werden. Aalbestände könnten von der durch den Klimawandel veränderten nordatlantischen Oszillation beeinflusst werden. Karpfenfischregionen dürften zunehmen, die Verbreitung von Salmoniden (Lachse, Äsche, Forellen) abnehmen. In kleinen Gewässern könnte wegen der höheren Temperaturen vermehrt Fischsterben vorkommen.
 
+
Eine Änderung der Fischereimethoden ist für die Fischer zunächst teuer. Sie müssen investieren, und zugleich sind die neuen Methoden noch nicht ausgereift und bringen noch nicht den vollen Ertrag. Geeignete Förderinstrumente können die Experimentierfreude und Akzeptanz der Fischer steigern. [1]
+
  
 
== Mögliche Auswirkungen des Klimawandels<br/> ==
 
== Mögliche Auswirkungen des Klimawandels<br/> ==
  
Zunehmendes Auftreten fremder (eingeschleppter) Arten mit besseren Überlebenschancen im wärmeren Wasser
+
*Zunehmendes Auftreten fremder (eingeschleppter) Arten mit besseren Überlebenschancen im wärmeren Wasser
*kälteliebende Fische wie der Kabeljau wandern nordwärts
+
*Kälteliebende Fische wie der Kabeljau wandern nordwärts
*es muß mit einem zunehmenden Aufkommen von Quallen gerechnet werden
+
*Es muss mit einem zunehmenden Aufkommen von Quallen gerechnet werden
 +
*Negative Auswirkungen auf Salmonide (Lachse, Forellen), positive Auswirkungen auf Karpfen
 +
*Verschiebung von Wander- und Laichzeiten
 +
*Abwanderung von gewässerspezifischen Arten
 +
*Erhöhte Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Parasiten
 +
*Einschränkung der Fischerei in (Flach-)Seen, Verlandung von Uferbereichen
 +
*Austrocknung und Verlandung von kleinen Gewässern
 +
*Einschränkung von Fischen in Fließgewässern durch Nährstoff- und Schadstoffeinträge nach Starkregenereignissen
  
 
== <span class="mw-headline" id="Beispiele_f.C3.BCr_m.C3.B6gliche_Anpassungsma.C3.9Fnahmen_an_den_Klimawandel_.5B2.5D"><span class="mw-headline" id="Beispiele_f.C3.BCr_m.C3.B6gliche_Anpassungsma.C3.9Fnahmen_an_den_Klimawandel">Beispiele für mögliche Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel</span></span><br/> ==
 
== <span class="mw-headline" id="Beispiele_f.C3.BCr_m.C3.B6gliche_Anpassungsma.C3.9Fnahmen_an_den_Klimawandel_.5B2.5D"><span class="mw-headline" id="Beispiele_f.C3.BCr_m.C3.B6gliche_Anpassungsma.C3.9Fnahmen_an_den_Klimawandel">Beispiele für mögliche Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel</span></span><br/> ==
  
*Damit die Fischereiwirtschaft auf Dauer arbeiten kann, müssen langfristige Bewirtschaftungs- und Wiederauffüllpläne erarbeitet werden. Wissenschaftler sollten die Entwicklungen beobachten
+
*Entwicklung nationaler Aktionspläne für Meeresgewässer im Rahmen der EG-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie
*Es sollten Anreize geschaffen werden, um Rückwürfe (Discard) von ungewollt gefischten Meerestieren – zu vermeiden. Dieser Beifang wird zum großen Teil als Abfall wieder über Bord geworfen.
+
*Einrichtung von Schutzzonen, um die volle Reproduktionsfähigkeit der Bestände wiederherzustellen. Lebensräume erhalten und ggf. restaurieren.
*Die Fangtechniken müssen so verbessert werden, dass gezielt nur bestimmte Fische ins Netz gehen.
+
*Lebensräume der Fische vernetzen, z.B. Gewässerauen, Altgewässer, Moore
*Die Unsicherheiten über die künftige Entwicklung der Fischbestände gebietet Zurückhaltung und ein fortlaufendes Monitoring
+
*Wärmelastpläne aufstellen für Fließgewässer, die durch Einleitung von Kühlwasser belastet werden können
*Es sollten Schutzzonen eingerichtet werden. Ziel muss es sein, die volle Reproduktionsfähigkeit der Bestände wiederherzustellen.
+
*Verbesserung der Reproduktionsfähigkeit von Fischen durch Erarbeitung langfristiger Bewirtschaftungs- und Wiederauffüllpläne
*Konsumentinnen und Konsumenten sollten aufmerksam gemacht werden auf Fische, die sie ohne Bedenken kaufen können. Labels wie etwa die Zertifizierung nach den Kriterien des Marine Stewardship Councils (MSC) können dabei helfen.
+
*Nachhaltige Aquakulturen weiterentwickeln, z.B. durch Züchtung von Fischarten, die sich von Pflanzen ernähren. Forellenteichwirtschaften in vermehrtem Umfang mit Grundwasser versorgen
*Fischerinnen und Fischer sind stärker in den Tourismus einzubinden, damit sie neue Einnahmequellen finden.
+
*Gewässertypische Fischbestände erhalten z.B. durch Gewässerrenaturierung bzw. Wiederbesiedelung fördern durch Verbesserung der Durchgängigkeit
*In umweltverträglichen Aquakulturen sollten insbesondere Arten gezüchtet werden, die sich von Pflanzen ernähren. Das ist nachhaltiger.
+
*Neu entstehende Gewässer (z.B. im Rahmen der Wasserrückhaltung) zur Fischproduktion nutzen
 +
*Uferrandstreifen mit Gehölzen fördern, um das Aufheizen kleiner Fließgewässer im Sommer zu verhindern; auch Neuanpflanzungen durchführen zur Förderung der Beschattung von Gewässern
 +
*Intensivierung der Forschung, damit Bestandsprognosen besser werden. Fischbestände fortlaufend überprüfen und Vulnerabilität ermitteln
 +
*Rückwürfe (Discard) von ungewollt gefischten Meerestieren möglichst vermeiden
 +
*Fangtechniken verbessern, so dass gezielt nur bestimmte Fische ins Netz gehen. Dies gilt auch für die See- und Binnenfischerei.
 +
*Konsumenten aufklären über Fischarten, die ohne Bedenken gekauft werden können. Labels / Zertifizierung z.B. nach den Kriterien des Marine Stewardship Councils (MSC) promoten
 +
*Für Fischer neue Einnahmequellen erschließern, z.B. duch Einbindung in den Tourismus
  
 +
== <span class="mw-headline" id="Referenzen"><span class="mw-headline" id="Referenzen">Referenzen</span></span><br/> ==
  
 +
[1]&nbsp; Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU, Hrsg.): Dem Klimawandel begegnen / Die deutsche Anpassungsstrategie, 2009, Berlin
  
== <span class="mw-headline" id="Referenzen"><span class="mw-headline" id="Referenzen">Referenzen</span></span><br/> ==
+
[2]&nbsp; Franck, Enke und Peithmann, Ortwin (2010): Regionalplanung und Klimaanpassung in Niedersachsen, E-Paper Nr. 9 der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Hannover
 
+
[1]&nbsp;&nbsp; Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU, Hrsg.): Dem Klimawandel begegnen / Die deutsche Anpassungsstrategie, 2009, Berlin
+
  
[3]&nbsp;&nbsp; Franck, Enke und Peithmann, Ortwin (2010): Regionalplanung und Klimaanpassung in Niedersachsen, E-Paper Nr. 9 der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Hannover
+
[3]&nbsp; Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Regierungskommission Klimaschutz (Hrsg., 2012): Empfehlung für eine niedersächsische Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels

Aktuelle Version vom 26. September 2012, 13:13 Uhr

zurück zu Maßnahmen - Fischerei

Hochsee- und Küstenfischerei
Auch wenn die Fischereiflotte nur wenige hundert Schiffe umfasst, hat die Fischwirtschaft mit ihren vor- und nachgelagerten Betrieben in den strukturschwachen Küstenregionen dennoch wirtschaftliche Bedeutung. Fast 90% der nachgefragten Fische werden importiert. Sowohl Seefischerei als auch Binnenfischerei (Aquakultur, Seen- und Flussfischerei) decken zusammen nur ca. 10% des Verbrauchs.

Mit dem Klimawandel geht eine Erwärmung des Wassers insbesondere in den Sommermonaten einher. Warmes Wasser dehnt sich aus, der Meerespiegel steigt an, Strömungssysteme könnten sich verändern. Durch den höheren CO2-Eintrag wird das Meerwasser saurer mit negativen Folgen für den Kalkgehalt der Schalen vieler Meeresbewohner.
Höhere Meerestemperaturen scheinen den Kabeljau nach Norden zu vertreiben. Auswirkungen auf Krabben- und Miesmuschelbestände sind noch unklar. Weniger eisige Winter erlauben die Einwanderung von neuen Arten wie Streifenbarbe und Sardellen. Im Wattenmeer breitet sich die Pazifische Auster aus. Der Klimawandel kann demnach auch Vorteile für die Fischerei haben. Problematisch könnte die Erwärmung des Meerwassers werden, wenn sich die Phytoplanktonblüte zeitlich nach vorne verlagert und sich die davon lebende Fauna nicht schnell genug anpassen kann.

Binnenfischerei
Im Bereich der Aquakultur muss bei höheren Wassertemperaturen oder bei verringertem Wasserzufluss in Forellenteichen mit technischen Maßnahmen wie z.B. Belüftungsanlagen gegengesteuert werden. Die Produktionsbedingungen in Karpfenteichen könnten dagegen besser werden. Die Infrastruktur von beiden ist bei lokalem Extremhochwasser gefährdet.

Flussfischerei / Seenfischerei / Angeln
Bei hohen Wassertemperaturen können durch den entstehenden Sauerstoffmangel Fische sterben. In Phasen mit niedrigem Wasserstand kann die Befischbarkeit eingeschränkt und das Wachstum von Jungfischen in den verlandeten Bereichen gefährdet werden. Aalbestände könnten von der durch den Klimawandel veränderten nordatlantischen Oszillation beeinflusst werden. Karpfenfischregionen dürften zunehmen, die Verbreitung von Salmoniden (Lachse, Äsche, Forellen) abnehmen. In kleinen Gewässern könnte wegen der höheren Temperaturen vermehrt Fischsterben vorkommen.

Mögliche Auswirkungen des Klimawandels

Beispiele für mögliche Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel

Referenzen

[1]  Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU, Hrsg.): Dem Klimawandel begegnen / Die deutsche Anpassungsstrategie, 2009, Berlin

[2]  Franck, Enke und Peithmann, Ortwin (2010): Regionalplanung und Klimaanpassung in Niedersachsen, E-Paper Nr. 9 der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Hannover

[3]  Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Regierungskommission Klimaschutz (Hrsg., 2012): Empfehlung für eine niedersächsische Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Werkzeuge